Schrift- und Sprachkultur

In den meisten Archaten der Schattenreiche ist das Analphabetentum - wie nicht anders zu erwarten - die Regel. Ausnahmen bilden lediglich die Elfenreiche Nordmar und Osmar, wo die gesamte (elfische) Bevölkerung durch die in Orden gegliederte strikte Erziehungsstruktur schon früh mit der Schrift und auch mit fremden Sprachen vertraut gemacht wird. In der Schwarzen Stadt sind praktisch alle Angehörigen der Herrscherkasten des Lesens mächtig, im Güldenland immerhin gut 75% des Adels. In anderen Archaten sieht es etwas düsterer aus. Im Archat Draksümpfe etwa wird davon ausgegangen, dass neben Lord Wurok lediglich ein Dutzend Echsen in der Lage ist, sich schriftlich auszudrücken.

Gebräuchliche Sprachen

Die am meisten gebrauchten Sprachen der Schattenreiche sind slawische und norgische Dialekte, wie sie die Urbevölkerung benutzt. Das gewöhnliche Orkisch ist ebenfalls eine verzerrte Form des Ostslawischen, und somit sind warägische und slawische Dialekte auf dem gesamten Festland bis etwa zum Salechstrom das beste Mittel zur Verständigung.

Offizielle Hochsprache der Allianz aber ist die vom Dunklen Herrscher Thauron vor den Zeiten der Wirren geschaffene „Schwarze Sprache". Das Mordra oder Morbeth hat keine Verwandtschaft mit bestehenden Sprachen, bis auf einige Lehnwörter aus dem Quenya. Es ist einfach strukturiert, klingt finster und bösartig und wird in der Praxis vor allem in den Archaten Finsterbinge, Khun, Trun und entlang der Osthänge der Braunen Berge gesprochen. Außerdem ist es die Hauptsprache der Heere und die Muttersprache der Kreaturen aus den Brutbecken. Die Elfen der Inselreiche lernen die Schwarze Sprache als erste Fremdsprache, verwenden sie aber ungern, da sie neben den elbischen Hochdialekten doch recht unschön klingt.

Die Muttersprache der Elfenvölker ist gleichzeitig die am häufigsten geschriebene Sprache der Schattenreiche, da sich auch andere Gebildete ihrer zur schriftlichen Aufzeichnung bedienen. Es handelt sich dabei um das Isdarin oder Isjadra, einem verzerrten Quenya-Dialekt mit einem Wortschatz, aus dem die meisten positiven Begriffe gestrichen wurden. Die Artikulation ist teilweise stark Telerin- und Sindarin-gefärbt. Viele Wörter aus dem Morbeth oder Moriquendi-Dialekten haben Einzug ins Vokabular gehalten, ohne grammatisch angeglichen zu werden, Für einen gewöhnlichen Quenya-Sprecher ist dem Isdarin aufgrund der Häufung von Doppelwörtern mühsam zu folgen, und die Entzifferung der Schriftsprache wird durch die aufgrund der verkürzten Verba vernünftige Verwendung der alten Sindarin-Vokalisierung zusätzlich erschwert. In Osmar sind noch alte Telerin-Dialekte in Gebrauch.

Die alte Muttersprache der Güldner ist in den Zeiten der Wirren verlorengegangen und wird wohl eine Lichtsprache ähnlich dem Vanya gewesen sein. Die heutigen Güldner sprechen eine Mischung alter Hochsprachen des kleinasischen Raumes, vermischt mit dem warägisch der Unterschicht. Als Schriftsprache greifen sie häufig auf Romanisch oder Hellenisch zurück.

Schriften und Aufzeichnung

Aufgrund der starken norgischen und slawischen Strömungen verwenden viele für alltägliche Aufzeichnungen Keil- und Runenschriften nach nordischem Vorbild. Für Urkunden und wichtige Dokumente benutzt man lieber lateinische oder oströmische Minuskeln, entlang der Küsten unter elfischem Einfluss feanorische Schrift. Die feanorischen Tengwar sind natürlich auch die wichtigste Schrift der Inselreiche. Durch den steten Informationsfluss aus aller Welt in die Schrifthallen der Schwarzen Stadt haben auch andere Schriften wie etwa das Nandurin oder ähnliche Kunstschriften Einzug gehalten und werden vor allem von den Kurdhai und Morghai verwendet, um sich von der elfischen dominierenden Schicht abzugrenzen. Auch Polygonale Runen erfreuen sich in der Schwarzen Stadt großer Beliebtheit, können aber die alten Schriften nicht verdrängen. Andere Schriften sind zwar bekannt, aber ungebräuchlich, Ausnahme bildet hier das Mittelländische in lateinischer Minuskel, welches um 990 über Melin seinen Weg in die Schattenreiche fand und sich in der Diplomatie als äußerst nützlich erwies, weshalb auch viele Agenten der Krone diese Sprache lernen. Auch die Weitergabe der Sprache an Teile der vierten Legion wiesen 998 auf Ambitionen der Krone in den Mittellanden hin.